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Geschichte - Rumer Muller

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Geschichte

Fasnacht (oft auch Fastnacht) stammt nicht wie irrtümlich gemeint aus vorchristlicher Zeit bzw. von den heidnischen Germanen, sondern hat ihren Ausgangspunkt voll und ganz im christlichen Jahreslauf, wo sie von Anfang an das Schwellenfest vor dem Anbruch der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern bildete, die mit dem Aschermittwoch beginnt. So wie der Abend vor dem Geburtsfest Christi Weihnacht heißt, meint Fastnacht den Vorabend der Fastenzeit.
Im 14. und 15. Jahrhundert lagerten sich um den Fasnachtstermin in wachsendem Masse Spiel- und Schaubräuche an, als deren Träger vor allem die ledigen Handwerksgesellen fungierten. An der Schwelle zur Neuzeit entfaltete sich die demonstrative Seite der fastnächtlichen Bräuche immer mehr. Es gab organisierte Vorführungen sowie wilde Lärmorgien mit improvisierten Instrumenten. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die organisierten Umzüge.
Im Jahr 1642 waren die Fasnachtsumtriebe kaum noch dem Zufall überlassen, sondern wiesen ein gewisses Maß an Gelenktheit auf. Aufgrund der erotisch–animalischen Seite der Fasnachtsbräuche wurden seitens der Regierung Reglementierungsversuche unternommen. Die Behörden dokumentierten dies wie folgt: "offene Tänze, Maskeraden und allerhand Leichtfertigkeit vorgegangen und verübt werden, in dem auch durch solche Mummereien etliche Personen mit Streichen übel traktiert und den Leuten die Fenster eingeworfen worden" (Quelle: Tiroler Landesarchiv). Damit waren die Huttler und die Muller angesprochen.
Erst seit dem 19. Jahrhundert ist das Huttlerlaufen eingehend dokumentiert. Die ersten einigermaßen ausführlichen Berichte stammen aus dieser Zeit. Mit dem strengen Blick des Wissenschaftlers beobachtete 1893 – 1897 Wilhelm Hein (7.1.1861 - 19.11.1903) das Huttlerlaufen in Rum; ihm verdankt die Nachwelt die erste wissenschaftliche und fotografische Bestandsaufnahme des Huttlerlaufens.
Durch die Weiterführung der Bräuche über Generationen werden diese auch heute noch traditionsbewusst ausgeübt. Vor allem in den MARTHA-Dörfern (Mühlau, Arzl, Rum, Thaur, Absam), die als der Ursprung der Mullerei gelten. Bis heute ist das Mullen ausschließlich den Männern vorbehalten.
Auch heutzutage wartet jeder alteingesessene Rumer darauf, dass die Peitschenschneller den Auftakt für die Fasnacht geben. Diese beginnt in Rum ab dem 7. Jänner und endet am Faschingsdienstag mit dem Mullereingraben.


Die zentralen Gestalten der Rumer Muller stellen die 4 Jahreszeiten dar, welche sich im Aussehen und den Bewegungen wesentlich unterscheiden.
Der Frühling wird durch die Halbweißen (lange weiße Hose mit bunten Flecken) verkörpert, der Sommer vom Melcher (kurze Lederhose) und Spiegeltuxer (glanzvoller Kopfschmuck). Der Herbst tritt in Form des Zaggelers (blaue Hose mit bunten Wolltschaggeln) auf. Der Winter ist die wildeste Figur der Rumer Muller und wird vom Zottler (buntgefärbtes Fransengewand) dargestellt. Aber auch wilde Gestalten wie der Klötzler, die Hexen, Krameter, der Bock, das Fasserrössl, Bären und Affen sind wichtige Teile des Rumer Fasnachtsbrauches.
Das Abmullen, ein mehr oder weniger kräftiger Schlag auf die Schulter, gilt als Fruchtbarkeitsritual bzw. Ehre und Anerkennung.
Beim Mullerumzug wird auch der dörfliche Humor nicht zu kurz kommen und auf den Umzugswägen werden das Gemeinschaftsleben und markante Ereignisse aus dem aktuellen Zeitgeschehen aufs Korn genommen.

Auszüge der ersten Bestandsaufnahmen der damaligen Huttler, erstellt von Wilhelm Hein (7.1.1861 - 19.11.1903).



Geschichtlicher Überblick von Rum


Rum wird erstmals im Jahre 1313 als selbständiges Dorf genannt. Der Ortsname taucht zum ersten Mal als RUMME in einer Urkunde des bayrischen Klosters Polling bei Weilheim auf, die mit 1153 datiert ist. Doch Urkunden sind verhältnismäßig jung. Es gibt gute Gründe zur Annahme, dass die sonnig gelegenen Ausläufer der Nordkette, im Westen vom Brandjoch, im Osten vom mächtigen Bettelwurf eingegrenzt, bereits vor Christi Geburt besiedelt wurden. Die noch heute gut erkennbare schöne Terrassierung der Äcker und Felder war eine gigantische Arbeitsleistung und geschah bereits in vorrömischer Zeit.
Das Gemeindegebiet von Rum umfasst nur 856 Hektar, höchster Punkt ist die Rumer Spitze mit 2453 Meter, tiefster Punkt der Inn mit 563 Meter Meereshöhe. Der ursprüngliche Dorfkern liegt zwischen 600 und 700 Meter auf einem ausgedehnten Schuttkegel der Rumer Mur, die schon der bedeutende Tiroler Landeskundler Johann Jakob Staffler „das größte Mur-Einzugsgebiet Nordtirols" nannte. Der Ort hatte stets unter dieser Mur zu leiden; überliefert sind große Murbrüche in den Jahren 1729, 1769, 1770, 1788, 1875, 1894 und 1905.

So ist es auch naheliegend, dass der Ortsname RUM (früher Rumme, auch Rumb) mit der Mur in Verbindung stehen soll. Während ältere Namensforscher die Wurzel im Rätischen, ja sogar im Etruskischen vermuteten, neigen jüngere Onomatologen dazu, den Ursprung des Namens im vorrömischen, vielleicht indogermanischen reup = zerreißen, Abbruch zu sehen, was auf die Gewalt von wildem, ungebändigtem Wasser hinweist.

Im Zuge der Kolonisation Tirols durch die Bajuwaren im sechsten Jahrhundert wurde die eingesessene romanische Bevölkerung aufgesogen und überlagert. Der bayrische Adel riss die Grundherrschaft an sich: Der Grundherr war nicht nur Herr über Grund und Boden, sondern auch über die Menschen, die den Boden bewirtschafteten und ihm dafür Zins zahlen mussten. Seine Dienstleute waren sein Eigentum, mit dem er nach Gutdünken verfahren konnte. Aus Urkunden ab dem 14. Jahrhundert geht hervor, dass die Rumer nicht nur an den Tiroler Landesfürsten, sondern an die verschiedensten Adelsfamilien, Klöster und Kirchen in Bayern und Tirol Zins zahlen mussten teils in Geld, teils in Naturalien. Die Last, „Eigenleute" des Grundherrn zu sein, streiften die Tiroler Bauern bereits im 16. Jahrhundert großenteils ab, wirkliche Eigentümer ihres Bodens wurden sie aber meist erst im 19. Jahrhundert.
Kirchlich war Rum jahrhundertelang nur eine kleine Filiale der mächtigen Pfarre Thaur, die Urpfarre der gesamten Marthadörfer (Mühlau bis Absam) ist. 1337 wird erstmals ein Kirchlein in Rum - der heiligen Margareta geweiht - erwähnt. Zwischen 1460 und 1480 wird eine neue Kirche in gotischem Stil erbaut, 1765 barockisiert, 1862 bis 1865 vergrößert und verändert, 1966/67 wieder re-barockisiert. 1826 bekommt Rum erstmals einen eigenen Seelsorger, 1940 wird es Pfarrvikariat, erst seit 1948 ist Rum eine selbständige Pfarre.

Die Pest, die in den Jahren 1611/12 zwischen Schwaz und Innsbruck wütete, ging auch in Rum nicht spurlos vorüber, wie die mündliche Überlieferung und eine Gedenkkapelle am Aurain bezeugen. Groß kann die Zahl der Opfer jedoch nicht gewesen sein, da im Bereich des Gerichtssprengels Thaur in dieser Zeit kein wesentliches Ansteigen der Todesfälle zu bemerken ist. Vermutlich war der Schrecken vor der Seuche größer als ihre tatsächlichen Auswirkungen.

Zur Entwicklung der Einwohnerzahl: Ein Untertanenverzeichnis des Landesfürsten aus dem Jahr 1427 nennt erstmals eine konkrete Zahl: 169 Personen in 40 Haushalten. Die nächste genaue Erhebung der Bevölkerungszahl stammt aus dem Jahre 1615: 367 Personen. Die Einwohnerzahl wuchs langsam, aber stetig: 1810: 550; 1817: 471 (vielleicht eine Folge der napoleonischen Kriege?); 1849: 616; 1869: 564; 1890: 562. Die Stagnation bzw. der leichte Rückgang der Bevölkerungszahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist wohl erstmals ein Hinweis darauf, dass die Landwirtschaft nicht mehr alle Menschen ernähren konnte und dass die ersten Abwanderungen von Arbeitskräften in die nahe Stadt erfolgten.

Dank der Einführung der Allgemeinen Schulordnung durch Maria Theresia im Jahre 1774 bzw. der Schulpflicht unter Josef II. 1782 wurde in Rum ab 1775 erstmals Schulunterricht gehalten, vorerst in den Stuben der Bauernhäuser, 1818 wurde das erste Schulhaus gebaut. Gar so ernst kann die Schulpflicht nicht genommen worden sein, da die Volkszählung von 1880 bei 564 Einwohnern noch 119 volle Analphabeten erhebt (= 21%).

Der Erste Weltkrieg forderte von Rum 23 Opfer. Die Not der Nachkriegszeit führte dazu, dass 1920 auf Rumer Gemeindegebiet nach Angaben eines Wünschelrutengängers nach Kohle gebohrt wurde. Die 56-mm-Bohrung stieß in 200 Meter Tiefe auf keine Kohle, wohl aber auf einen artesischen Springbrunnen, der unter einem Druck von 20 Atmosphären eine 20-Meter-Fontäne Wasser hervorschießen ließ. Es kostete viel Mühe, diese artesische Quelle wieder zu verschließen.

Ab 1930 begann sich das Siedlungsgebiet bis in die Talsohle auszudehnen, jedoch wurde vorerst südlich der Eisenbahnstrecke nicht gebaut - der Gasthof Rumerhof (erbaut 1905) blieb das einzige Gebäude südlich der Bundesstraße.

Nach der Besetzung Österreichs durch Hitler-Deutschland im März 1938 erbaute die deutsche Wehrmacht am westlichen Ortsende von Rum ein Militärlager; die Grundbesitzer wurden enteignet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, durch den auch 91 junge Männer aus Rum ihr Leben verloren (6% der Einwohnerschaft), wurde das Lager Rum im Mai 1945 von den Amerikanern in Besitz genommen und im August der französischen Besatzung überlassen, die es als Kriegsgefangenenlager verwendete. Von 1953 bis 1955 nützten es wiederum die Amerikaner und stationierten hier eine Nachschubeinheit; nach dem Abschluss des österreichischen Staatsvertrages wehte am 20. September 1955 über dem Lager erstmals die österreichische Fahne. Es entstanden hier Reihensiedlungen und Einfamilienhäuser, die Innsbrucker Kreuzschwestern siedelten sich mit ihrem Sanatorium an.
Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts errichtete die Wildbach- und Lawinenverbauung oberhalb des Dorfes große Schotter-Auffangbecken und sicherte den Murverlauf (Wappen zeigt die Murverbauung). So konnten große neue Siedlungsräume für die Verbauung freigegeben werden. Die Entstehung des neuen Ortsteiles Neu-Rum mit gemischtem Wohn- und Wirtschaftsgebiet ab den sechziger Jahren brachte einen rasanten Bevölkerungszuwachs (1951: 1.687 - 1971: 5.094 - 1991: 8.071 - 2001: 8.368 Einwohner).

Dies stellte die Gemeinde vor große Aufgaben: Eine komplette Infrastruktur war zu errichten, für alle neuen Siedlungsbereiche war für Straßen, Kanäle, Strom und Müllentsorgung vorzusorgen. Trinkwasserbehälter, neue Wasserleitungen, Sportstätten, Kindergärten und -spielplätze, Bau eines Seniorenheims, Friedhofserweiterungen, Sozialsprengelerrichtung und ähnliches wurden notwendig. Eine neue Volksschule wurde in Neu-Rum, eine Hauptschule in Rum gebaut. 1976 wurde mit dem Bau einer Kirche in Neu-Rum begonnen, 1988 wurde der Ortsteil eine selbständige Pfarrei. Im Jahre 1987 erhob die Tiroler Landesregierung Rum zur Marktgemeinde.

Vierzig Vereine im Ort sorgen für Brauchtumspflege und lebendiges kulturelles Leben. Rum ist auch stolz auf drei bedeutende Kunstschaffende: aus dem 19. Jahrhundert auf den Akademischen Maler Peter Rauth (geb. 1828 in Rum, gestorben in Heidelberg) und den Bildhauer Johann Plank (1845-1913), in der Gegenwart auf die über die Grenzen Tirols bekannte Mundartdichterin Maria Recheis (geb. 1920).

Aus dem einstigen Bauerndörfchen ist ein starkes Gemeinwesen mit breiter Mittelschicht und leistungsfähigem Handel, Gewerbe und Industrie geworden, das vielen Menschen Verdienst und Heimat gibt.
Das Dorfbuch
Das Dorfbuch ist keine Chronik und war auch nicht als solche konzipiert. Von den insgesamt 712 Seiten oder 356 Blättern sind drei gedruckt und sollten wohl als große Kapiteleinteilungen dienen, "Die Geschichte unseres Dorfes", "Der Mensch unseres Dorfes" und "Das Volkstum unseres Dorfes". Die ersten beiden Blätter wurden von Hand nachkoloriert, mit Ausnahme des ersten Blattes haben sie in der vorliegenden Fassung aber kaum noch Einteilungsfunktion. Dem Schrifttyp nachempfundene, mit Zeichnungen versehene und kolorierte Blätter traten an ihre Stelle. In einem Fall folgt auf eine liebevoll gestaltete Kapitelüberschrift "Sicherheit-Versicherung" dann aber nur eine einzige Seite vor dem nächsten Kapitel. Große Kapitel wie "Geschichte" wurden in nicht ganz nachvollziehbarer Weise weiter untergliedert.

Ein paar Bände des Dorfbuches liegen bereits in digitaler Form vor und stehen auch im Internet zur Verfügung. Aufgrund der umfangreichen Daten empfehlen wir Ihnen - vor allem für die Bilddokumente - einen Breitbandinternetanschluss, um die Ladezeiten zu verkürzen. Sie können aber auch die Bände einzeln auf CD beim Gemeindeamt Rum bestellen.

 
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